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"Back to the roots": Lebensabend in der Heimat

Regionalmanager Christoph Burkard sieht bei Rückkehrern Potenziale für Vereine

Erstellt: Freitag, 06.01.2023
"Back to the roots": Lebensabend in der Heimat

"Einzelbeispiele, aber keine Massenbewegung": Regionalmanager Christoph Burkard zufolge wirkt sich der Rückkehrer-Trend auf dem Arbeitsmarkt überschaubar aus. Foto: Mirko Luis

Das Thema "Back to the Roots" beschäftigt nach den Erfahrungen von Regionalmanager Christoph Burkard (60) besonders die jungen Familien, also Paare, die sich bewusst für die Familiengründung - also für Kinder - entschieden haben. "Dann wird plötzlich auch wieder die Heimat, dort wo auch die Großeltern wohnen, interessant", so der Wirtschaftsförderer auf Anfrage unserer Zeitung.

Allerdings glaubt Burkard, "dass es sich immer noch um Einzelbeispiele und keine Massenbewegung handelt". Auch mit Home- oder Mobile Office habe sich dieser Trend nicht deutlich verstärkt. „Als großes Hemmnis bleibt der gerade für Akademiker doch der relativ hohe Gehaltsunterschied“, nennt der Wirtschaftsfachmann einen der Gründe. Und wird konkret. "Ich habe aktuell das Beispiel eines ehemaligen Schulkameraden, der gerne zurück in die Heimat gehen würde. Aber das Bruttogehalt liegt hier mehr als 50 Prozent unter dem Münchner-Niveau, so dass selbst nach Abzug der ersparten Kosten für die Wohnung immer noch ein deutliches Minus bleibt."

In nachfolgendem Interview beleuchtet der erfahrene Netzwerker das Thema noch aus weiteren Perspektiven.

Gibt es auch Gründer, die lange Zeit woanders gearbeitet, dann aber die alten Kontakte in der Heimat genutzt haben, um sich selbstständig zu machen?

Was für die Fachkräfte gilt, gilt im Prinzip auch für die Gründer - auch hier gibt es Einzelbeispiele von Experten, die sich mit ihrem Startup in der Heimatregion angesiedelt haben. Das mit den alten Kontakten ist dann meist so eine Sache. Denn diese Kontakte sind eher unter dem Oberbegriff Lebens- und Freizeitqualität zu subsummieren. Alte Kontakte als Geschäftskontakte sind eher eine Seltenheit. Eher ist es umgekehrt, dass unsere Region von den neuen Kontakten, die die Rückkehrer mitbringen, profitiert. Sie erweitern also unser Netzwerk und damit auch die Reichweite unserer Region ...

Was spricht aus Ihrer Sicht für eine "zweite Karriere" in der Heimat?

Als Jungsechsziger werde ich immer wieder auf die näher rückenden Rente angesprochen - sind aber noch sieben Jahre! Wenn wir von zweiter Karriere sprechen, sollten wir vielleicht die Rente oder Pension als solche bezeichnen. Und hier ist es in der Tat so, dass sich viele meiner Bekannten aus den geburtenstarken Jahrgängen vorstellen können, ihre zweite Karriere, also ihren Lebensabend, als Rentner oder Pensionäre in der Heimat zu verbringen - auch weit draußen auf dem Land, also auf dem Dorf. Umso wichtiger ist es für uns, die Basics der Gleichwertigkeit der Lebensbedingung in der Stadt und auf dem Land zu realisieren: Stichworte Mobilität, Ärzteversorgung, Breitbandanbindung.

Was macht es in unserer Region besonders leicht, schnell wieder Fuß zu fassen?

Vereine, Vereine, Vereine - im Ernst: Junge Familien erhalten über ihre Kinder schnell Kontakt über den Kindergarten, die Schulen und letztlich auch die Vereine. Die Jugend- und Nachwuchsarbeit in den Vereinen ist hier das A und O. Umso wichtiger ist für uns - und hier spreche ich für die Wirtschaftsförderung - das Vereinsleben zu unterstützen. Viele Rückkehrer - also die, die jetzt in Rente oder Pension sind - haben Lust, Verantwortung in Vereinen zu übernehmen. Sie haben aber keine Lust auf den ganzen Verwaltungskram" wie Hygieneplan für das Vereinsfest- oder Ähnliches. Hier sollte es eine Art professionelles Vereinsbüro geben, dass die Vereine beim Management unterstützt. Dann haben wir auch wieder mehr Freiwillige, die sich für die Allgemeinheit in den Vereinen engagieren ...

Hatte die Region Fulda unter den zahllosen Anfragen von potenziellen Investoren auch ehemalige Fuldaer, die mit ihrer vielleicht sogar im Ausland gewonnenen Expertise zurück zu ihren Wurzeln wollen?

Die meisten Investorenanfragen, die uns erreichen, sind Anfragen nach Logistik-Gewerbeobjekten oder -flächen - eher weniger aus dem Ausland, eher mehr von klassischen Projektentwicklern. Wurzeln in der Region Fulda spielen hier keine Rolle...

von Mirko Luis

WEG ZUR ARBEIT

Pendlerinnen und Pendler legten im Jahr 2021 auf dem Weg zur Arbeit durchschnittlich 16,9 Kilometer zurück. Je nach Region gibt es jedoch große Unterschiede. Vor allem in dünn besiedelten Räumen sind die Arbeitswege länger. Das zeigt eine Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. /mlu

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